Landgericht Essen
Tatvorwurf: Besitz kinderpornographischer Inhalte
Vor dem Landgericht Essen konnte in der Berufungsinstanz ein strafrechtliches Ergebnis erzielt werden, das angesichts der Ausgangslage alles andere als selbstverständlich war. Der Angeklagte war bereits mehrfach einschlägig vorbestraft und hatte sich erneut wegen des Besitzes kinderpornographischer Inhalte zu verantworten. In vergleichbaren Konstellationen endet ein solches Verfahren nicht selten mit einer unbedingten Freiheitsstrafe.
In erster Instanz war der Mandant noch ohne Erfolg verteidigt worden. Das Amtsgericht hatte eine Freiheitsstrafe verhängt, deren Vollstreckung nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde. Erst nach dem Wechsel der Verteidigung kam Bewegung in das Verfahren. In der Berufungsinstanz wurde die gesamte Verteidigungsstrategie neu aufgesetzt und konsequent auf eine Strafaussetzung zur Bewährung ausgerichtet.
Zentraler Ansatzpunkt war eine realistische und zugleich differenzierte Aufarbeitung der Vorbelastungen. Anstatt diese auszublenden, stellte die Verteidigung die tatsächliche Entwicklung des Mandanten seit den früheren Verurteilungen in den Vordergrund. Dabei wurden insbesondere Veränderungen in den persönlichen Lebensumständen, eine begonnene therapeutische Auseinandersetzung sowie eine erkennbare Einsichtsfähigkeit herausgearbeitet. Parallel dazu wurde in intensiven Gesprächen mit der Staatsanwaltschaft ausgelotet, ob trotz der Vorstrafen eine positive Sozialprognose noch vertretbar ist.
Nach langwierigen Verhandlungen und einer eingehenden Erörterung aller strafzumessungsrelevanten Gesichtspunkte folgte das Landgericht Essen schließlich dieser Argumentation. Es erkannte besondere Umstände des Einzelfalls an und setzte die verhängte Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. Das Urteil wurde rechtskräftig.
Der Fall zeigt eindrucksvoll, dass selbst bei mehrfachen einschlägigen Vorverurteilungen ein differenzierter Blick auf die aktuelle Lebenssituation und Entwicklung des Angeklagten möglich bleibt. Eine strategisch neu ausgerichtete und konsequent geführte Verteidigung kann auch in scheinbar festgefahrenen Verfahren eine entscheidende Wendung herbeiführen.
